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	<title>Lottimoa&#039;s Blog</title>
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		<title>Lottimoa&#039;s Blog</title>
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		<title>Fitzgerald und Rimini</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 18:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Ich habe Fitzgerald und Rimini an Ihrer Plattentaufe in der Dampfzentrale zum ersten Mal überhaupt gesehen. Fast muss ich befürchten, mal wieder etwas verpasst zu haben, andererseits bin ich mir auch ziemlich sicher, dass ich die zwei bei einem ihrer perfekten Momente erwischt habe. Mir gefällt bei Elsa Fitzgerald, wie sie das auf der Bühne [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=175&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe Fitzgerald und Rimini an Ihrer Plattentaufe in der Dampfzentrale zum ersten Mal überhaupt gesehen. Fast muss ich befürchten, mal wieder etwas verpasst zu haben, andererseits bin ich mir auch ziemlich sicher, dass ich die zwei bei einem ihrer perfekten Momente erwischt habe.</p>
<p>Mir gefällt bei Elsa Fitzgerald, wie sie das auf der Bühne so macht, mit ihrer etwas schusseligen und charmanten Art, wirkt sie bei aller Bühnenpräsenz immer noch etwas schüchtern. Und ich finde das durchaus erwähnenswert; Elsa Fitzgerald ist eine Schöne in einem smaragdgrünen Satin-Kleid, das ihre hervorstehenden Hüftknochen betont, so dass der Stoff da eine Kurve schlagen muss &#8211; das ist sehr gut. Sie wirkt sympathisch, wie sie ihre Mitmusiker mit bewundernden Blicken bedenkt, wenn sie ihnen zuhört und sichtbar angetan ist von diesen wohlklingenden Tönen. Und es hat tatsächlich sehr schön geklungen an dieser Plattentaufe. Obwohl normalerweise als Duo unterwegs, war es eine gute Idee, diese Geschichten und die Musik so gross werden zu lassen. Es wurden für diese Veröffentlichung eine ganze Horde Kunstschaffender eingeladen mitzutun. Etliche haben ihre Stimme beigesteuert, oder waren als Musiker mit von Partie. An der Plattentaufe ist wiederum etwas ganz Neues entstanden &#8211; zahlreiche Musiker spielten ihre Parts live, während die Stimmen ab Band kamen. Nicht unproblematisch: oft war die Musik dermassen grossartig, dass man die Geschichten dabei fast etwas vergass und sich mehr den Stimmungen dieser einzelnen Stücke hingab. Ein Riskio, dessen sie sich bewusst waren und das sie für diesen einen Abend in Kauf nehmen wollten. Es hat sich sehr gelohnt. Ariane von Graffenried als Elsa Fitzgerald haucht mit ihrer unverwechselbaren und souveränen Stimme den Geschichten Leben und Dramatik ein. Diese Stimme kommt mit einem grossen Unterbau an Instrumenten wunderbar zurecht. Sie reagiert instinktiv auf die Musik; wird mal melodiöser oder verharrt in einer zu den Klangflächen passenden Monotonie. Mir gefallen nicht alle Erzählungen gleich gut. Es gibt da ein paar, die mich wirklich vom Hocker hauen; die der trennungstraumatisierten Frau mit Panzer beispielsweise. Manchmal wird es mir aber zu assoziativ. Zum Beispiel dann, wenn es um Vampire und Architektur geht -  da verliere ich bald den Faden und ich komme nicht so recht draus, auf was sie eigentlich hinauswollen. Dann gab es am Konzert Momente, wo Elsa Fitzgerald ihr Lieblingsthema, die Sehnsucht zusammen mit der Musik dermassen auf den Punkt brachte, dass es einem den Atem raubte. In diesen Momenten erreicht sie genau das, was sie möchte: mit ihrer Kunst etwas in den Zuhörenden anrühren, das in deren Innern schlummert, seien das Bilder, Gedanken oder Gefühle.</p>
<p>Robert Aeberhard als Ribi Rimini agiert als Komponist zwar eher aus dem Hintergrund, aber er ist für dieses Projekt absolut unabdingbar. Vor allem beeindruckt sein Gespür für Musik, er schafft bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Umhüllungen für die Texte. Auch bei ihm ist es so, dass mir nicht alle seine Kompositionen und elektronischen Tüftelein gleich gut gefallen. Wie er aber die Stimme von Elsa Fitzgerald untermalt, sie mit Klängen umschmeichelt, sie zum Klingen bringen &#8211; das ist grossartig. Und die Auswahl der Musiker, die auf seine Kappe geht, die ist der pure Wahnsinn. Man darf sehr darauf gespannt sein, wie Ribi Rimini diese Dramatik an den kommenden Konzerten im Alleingang hervorzaubern wird &#8211; eine grosse Herausforderung, wie er selbst sagt.</p>
<p>Ariane von Graffenried und Robert Aeberhard arbeiten schon lange und sehr intensiv an dieser Verschränkung von Text und Musik. Ariane von Graffenried ist eher per Zufall zu einer Slam-Poetin geworden. Sie schrieb damals Kolumnen fürs Megafon und wurde daraufhin zu einem Poetry Slam eingeladen. Sie fand Spass an dieser demokratischen Form der Lesung und ist ihr bis heute treu geblieben. Robert Aeberhard spielt und spielte in unzähligen Bands den elektronischen Bass und schon vor der Zusammenarbeit mit Ariane von Graffenried, tüftelte er an Soundcollagen, die er mit Hilfe von field-recordings, elektronischem Bass und einem Loop-Gerät kreierte. Wohin diese langjährige Zusammenarbeit nun geführt hat, ist bemerkenswert. Text und Musik stehen sich als gleichberechtigte Parts gegenüber. Es sind keine vertonten Texte, was die zwei da machen, und auch nicht ein Lesen auf einen musikalischen Teppich. Es gelingt ihnen, diese zwei Formen zu etwas Eigenem zu verschmelzen. Das Schwierige scheint mir dabei, dass eine solcher Verschränkung nicht schwerverdaulich wird. Das ist Aristokratie und Wahnsinn aber keineswegs. Es braucht ohne Frage viel Aufmerksamkeit, um dieser CD gerecht zu werden. Dafür eröffnet einem dieses Hörspiel die Möglichkeit, auf Entdeckungsreise zu gehen. Ariane von Graffenried ist nicht daran gelegen, ihre Weltsicht via simpler Bedienungsanleitung kund zu tun, sie traut den Zuhörenden durchaus zu, selbst zu denken und ein bisschen über die Aussagen der Stücke nachzugrübeln. Das Schöne ist aber, dass man das nicht muss, Aristokratie und Wahnsinn funktioniert auch als pure Unterhaltung. Sie betonen zwar beide, dass es ihnen primär um die Kunst geht und nicht so sehr um die Unterhaltung. (Mir ist nie ganz klar, worin da der Widerspruch liegt?) Ich finde Aristokratie und Wahnsinn gerade auch darum gelungen, weil die CD eine grosse Bandbreite an möglichen Rezeptionen bereitstellt. Es gibt Stücke, die sind nichts anderes als einfachst gestrickte Pop-Songs &#8211; musikalisch und inhaltlich und sind demzufolge im Nu verstanden. Und es gibt Stücke, die auf beiden Ebenen dermassen dicht sind, dass nur mehrmaliges Hören ein Verständnis ermöglicht. Fitzgerald und Rimini sind in ihrem Schaffen unverwechselbar &#8211; freuen wir uns auf mehr unterhaltende Kunst von den Beiden.</p>
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		<title>Fabian M. Müller</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 18:30:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Goalie: Ihm sagt man ein gewisses Einzelgängertum nach, eine spezielle psychische Austattung. Dass nun einer als Bub davon träumt, Goalie zu werden und schliesslich als Pianist Karriere macht, kommt sicherlich nicht all zu oft vor. Aber vielleicht doch häufiger als man denkt. Je länger ich mich mit Musikerpersönlichkeiten beschäftige, desto mehr schälen sich gewisse [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=173&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Goalie: Ihm sagt man ein gewisses Einzelgängertum nach, eine spezielle psychische Austattung.</p>
<p>Dass nun einer als Bub davon träumt, Goalie zu werden und schliesslich als Pianist Karriere macht, kommt sicherlich nicht all zu oft vor. Aber vielleicht doch häufiger als man denkt. Je länger ich mich mit Musikerpersönlichkeiten beschäftige, desto mehr schälen sich gewisse Muster heraus, die ich amüsant und interessant finde: Musiker &#8211; Grafiker &#8211; Fussballer &#8211; Lehrer, diese doppel oder dreifach Besetzungen sind mir jetzt schon mehrmals unter gekommen. Nicht, dass ich da nun irgendwelche Theorien entwickeln möchte, aber es liesse sich durchaus einmal darüber nachdenken, wo die Überschneidungen zu finden sind, oder was diese Berufsziele über das männliche Selbstverständnis aussagen.</p>
<p>Jedenfalls ist da nun dieser Fabian Müller, der gleich drei der oben genannten Stationen durchlief: vom Goalie zum Lehrer und schliesslich zum Musiker. Sein Werdegang beeindruckt mich, obwohl er ihn als eher normal und unspektakulär hinstellt. Nun, all zu gewöhnlich ist ein solcher Lebenslauf meines Wissens nach nicht. Dass sich ein junger Mann, der eigentlich davon träumt, künstlerisch tätig zu sein, für den Lehrerberuf entscheidet, ist sicherlich nichts Besonderes. Auch nicht, dass man über die jungendliche Begeisterung für Hip Hop, zu Jazz gelangt und sich in diese Musikrichtung vertieft. Was aber besonders ist und schon fast etwas befremdend: mit zweiundzwanzig den Entschluss zu fassen, seinen Alltag von nun an selbst zu bestimmen, sich ganz der Musik zuzuwenden und dass sich aus diesem Entschluss auch in relativ kurzer Zeit eine erfolgreiche Musiker-Karriere entwickelt. Auch nicht selbstverständlich ist es &#8211; jedenfalls in der Jazzszene nicht,  diesen Weg ohne spezifische Ausbildung in Angriff zu nehmen. Auch wenn er vehement verneint Autodidakt zu sein, da er über viele Jahre den klassischen Klavierunterricht besuchte und die Ausbildung zum Lehrer viel Musikwissen beinhaltet. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, dass er sich die Technik und seinen Zugang zu Musik auf seinem Instrument zum grossen Teil selbst erarbeitet hat. Er erzählt, wie er sich Tagespläne zusammengestellt hat, die er aber dann doch nicht einhielt, da ihm acht Stunden Üben am Tag schlicht nicht zusagten. Im Gespräch mit ihm fällt oft das Wort &#8222;Lust&#8220;: Keine Lust mehr gehabt, von jemanden seinen Tagesablauf auferlegt zu bekommen, Lust darauf gehabt dies und das auszuprobieren, mit anderen Musiker zusammenzuspannen, ein Solo-Werk zu schaffen, sich mehr der Filmmusik zuzuwenden etc.. Er erzählt das alles so, als sei dies eben das Selbstverständlichste der Welt. Selbstverständlich, dass er mit seinem FM Trio bereits im Ausland Erfolge verbuchen konnte, selbstverständlich, dass er sich mit einem Berlin-Stipendium daran machte ein Solo-Werk zu schaffen, welches die Fachpresse mehrheitlich begeistert aufnahm, selbstverständlich seinen Lebensweg so zu gehen, wie er das als richtig empfindet, ohne sich von den allgemeinen Vorgaben und Konventionen einschüchtern zu lassen. Und das wirklich Besondere daran ist, dass er dies ohne die Attitüde der Rebellion, oder Verweigerung tut. Ich denke wieder an den Goalie, der sich anders als seine Mitspieler auf dem Feld bewegt, der wartet, dann agiert, dessen Timing alles entscheidend ist, der sich auf seine Reflexe und seinen Instinkt verlässt &#8211; der Goalie, der nur besteht, wenn er in einer Gemeinschaft unabhängig bleibt.</p>
<p>Auf seine Solo-Platte Monolog, die er dieses Frühjahr auf Unit Records veröffentlicht hat, bin ich eher durch Zufall gestossen. Ich bin mit diesen reinen Jazz-Geschichten oft überfordert: zu abstrakt geht es mir da zu und her, dann wiederum ist es mir zu sehr der Virtuosität verpflichtet, oder dem Süffigen und meistens habe ich das Gefühl einfach nicht draus zu kommen, weil mir die Bildung dazu fehlt. Da ich wenigstens bei der Musik finde, ich will mich damit beschäftigen, weil ich Lust darauf habe, verpasse ich das meiste, was an Jazz Platten auf den Markt kommt. Dem Zufall also ist zu verdanken, dass ich diese CD abspielte und zu meiner Verwunderung nach sehr kurzer Zeit einen Zugang fand. Dabei sind die Kompositionen weder durchgehend melodiös, noch besonders einfach in ihrer Struktur. Oft ist die Musik aufs Nötigste reduziert, manchmal durchaus verwirrend, manchmal der reine Wohlklang. Wie auch immer; sie sagt mir was, berührt, macht Gänsehaut &#8211; die Zeiger meiner eigenen Qualitätsparameter schnellen hoch. Nach dem Gespräch und dem Konzert wird klarer, warum mir diese Musik gefällt. Man hört beispielsweise die Hip Hop Affinität immer noch heraus, wenn er im Innenleben seines Flügels rumexperimentiert und Beats produziert. Das irritiert das geschulte Jazz-Publikum ein wenig &#8211; mich macht es lächeln. Die Idee einen Beat zu schaffen, der nur von der Klangästhetik lebt, weil da nicht viel an Virtuosität  und Überlagerungen möglich ist, da er mit einer Hand gespielt wird, finde ich bestechend. Diese Art, wie er sich in Klangmalereien verliert, wie man ihm quasi beim musikalischen Denken zuhören kann, zuhören kann, wie er sich von einer hübschen Melodie in die Monotonie flüchtet, sich darin vergräbt, um plötzlich wieder daraus auszubrechen, wie er einen, so kommt es mir jedenfalls vor, seine Musikwelt sorgfältig aufschlüsselt und einen nie hängen lässt in einer Steilwand. Mir gefällt das, ich versinke in der Musik und habe einen halben Herzinfarkt, als am Konzert eine Flasche zu Boden poltert. Das ist ein gutes Zeichen, das heisst, dass ich nicht am Denken und Analysieren bin, das heisst, dass ich ganz und gar eingetaucht bin, und die Welt wieder einmal für einen kurzen Moment zu existieren aufgehört hat. &#8222;Meine&#8220; gute Musik muss genau das können.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Brink Man Ship &#8211; Instant Replay</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Apr 2011 16:42:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Musik ist und bleibt die beste Ersatzdroge. Wobei ich der Meinung bin, das Wort Ersatz gehöre gestrichen. Musik ist eine Droge. Unter ihrem Einfluss tun die Menschen Dinge, die sie in nüchternem Zustand nie tun würden: Sie weinen, schreien, tanzen wie die Berserker, driften weg von der Realität, vergessen ihre Quälgeister und sie warten zittrig [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=167&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><img class="size-medium wp-image-168 aligncenter" title="brinkmanship_press_1" src="http://lottimoa.files.wordpress.com/2011/04/brinkmanship_press_1.jpg?w=300&#038;h=166" alt="" width="300" height="166" /></p>
<p style="text-align:center;">
<p style="text-align:left;">Musik ist und bleibt die beste Ersatzdroge. Wobei ich der Meinung bin, das Wort Ersatz gehöre gestrichen. Musik ist eine Droge. Unter ihrem Einfluss tun die Menschen Dinge, die sie in nüchternem Zustand nie tun würden: Sie weinen, schreien, tanzen wie die Berserker, driften weg von der Realität, vergessen ihre Quälgeister und sie warten zittrig auf ihren nächsten Fix von ihrem Lieblingsdrogenlieferanten &#8211; ihrer Band der momentanen Gunst. Musik macht die Menschen glücklich, befreit, zornig, überheblich, ungehemmter und manchmal ist danach Leere und es bleibt ein leicht depressives Hangover. Vielleicht könnte ich sogar soweit gehen und verschiedene musikalische Produktionen verschiedenen Drogen zuordnen. In dem Sinne gehört die neue CD von Brink Man Ship zu den bewusstseinserweiternden Drogen. Ich werfe die CD ein, drücke auf Play und da kommt ein tief dröhnender Subbass &#8211; der Sog setzt ein und nimmt mich mit auf den Trip.</p>
<p>Brink Man Ship sind schon seit vierzehn Jahren dabei, ihre Musik voranzutreiben, die Ingredienzien sorgfältig abzuwägen, zu mischen, ins richtige Verhältnis zu bringen. Auf Instant Replay ist ihnen nun eine äusserst wirkungsvolle Rezeptur gelungen &#8211; eine Mixtur, die neu, unverbraucht, kraftvoll und rauschhaft ist. Sie haben diese Rezeptur nicht etwa im Labor gefunden, nicht im Studio, wo sie tagelang über den Klängen gebrütet hätten. Die Musik auf Instant Replay hat ihren Ursprung in den zwei Jahren, in denen die Band bei ihren Konzerten nur noch improvisiert haben. Sie waren irgendeinmal gelangweilt vom Spielen ihrer komponierten Stücke und befürchteten, dadurch auch ihr Publikum zu langweilen. Sie versuchten zuerst noch einzelne komponierte Parts stehen zu lassen und in den Konzerten immer mal wieder darauf zurückzukommen. Aber auch das war nicht genug der Freiheit. Also warfen sie alles Bestehende über Bord. Sie machten über längere Zeit das Experiment: was passiert, wenn man die Mischung hauptsächlich unwillkürlich entstehen lässt. So präparierte beispielsweise der Drummer vor jedem Konzert einen neuen Beat, den die anderen erst am Konzert zu hören bekamen und darauf zu reagieren hatten. Manchmal gelang das gut, manchmal nicht. Aber es gab einzelne Konzerte, da sei so etwas wie ein Rausch entstanden, erzählt Jan Galega Brönnimann; die Zuhörer seien eingetaucht und danach gut durchvibriert wieder an die Oberfläche gekommen. Genau diesen grossen Bogen wollte er auch auf dieser CD versuchen beizubehalten. Mit der Idee, nicht so sehr einzelne Stücke zu schreiben und diese dann auf einer CD anzuordnen, sondern vielmehr ein Gesamtwerk zu schaffen, dass sich zwar aus einzelnen Stücken zusammensetzt, die aber in ihrer Abfolge, ihrem Zusammenhang so etwas wie eine Suite ergeben. Das ist ihm absolut gelungen &#8211; ich hatte noch selten beim Hören einer CD so sehr Lust darauf, die Musik genau so an einem Konzert zu hören. Instant replay fühlt sich zwar nach einem Live-Konzert an &#8211; allerdings gepaart mit der Präzision des Studios.</p>
<p>Jan Galega Brönnimann ist der Kopf von Brink Man Ship. Er entwickelt vor allem die Ideen und in diesem Fall setzte er den ersten Impuls und bündelte das Ganze am Schluss wieder zu einzelnen Stücken. Instant Replay ist eine Internet-basierte Kollektiv-Komposition. Jan Galega Brönnimann hat jeweils ein musikalisches Fragment aufgenommen und in die Runde geschickt, oder aber einen konkreten Wunsch an einen der Musiker geäussert: kannst du mir einen ganz schnellen Beat mit sehr dünnen Stäbchen spielen beispielsweise. Am Computer wurden dann die eingegangen Klangstücke zu einer Komposition zusammengesetzt. Danach ging es in den Übungsraum und die digital gefertigten Stücke wurden wieder zurück auf die Instrumente geholt und schliesslich im Powerplay Studio eingespielt. Brink Man Ship ist eine Band, die die Elektronik ganz und gar in ihr Spiel integriert hat. Jeder Musiker holt aus seinem Instrument mit Hilfe technischer Geräte ein Mehr an Klangfarben, Rhythmusdichte und Tempo-über- oder -unterschreitungen heraus. Die Elektronik ermöglicht es den Musikern die Grenzen des Mach- oder Spielbaren weiter nach Aussen zu schieben, und Jan Galega Brönnimann sagt, dass er auch einfach möge, wie die elektronisch erzeugten Klänge tönen. Das alles hört sich mal nach psychedelischem Rock, mal nach Drum and Bass, mal nach Jazz, mal nach Rap an. So vielseitig und abwechslungsreich die Musik auf Instant Replay aber auch ist, behält sie doch ihren ganz eigenen Klang &#8211; unverkennbar Brinkmanship eben. Jan Galega Brönnimann hat ein Flair für schöne Melodien, was auch bedeutet diese immer wieder in ihr Gegenteil zu verkehren &#8211; ins Schräge, Disharmonische, Gebrochene. Er hat auch ein Flair für Rhythmen, die nicht immer vom Drummer oder Computer kommen, sondern oft auch mit Hilfe der Klarinette erzeugt werden. Für Instant Replay wollten die vier Musiker einen Schritt in eine neue Richtung tun, eine CD aufnehmen, die sich deutlich von den vorherigen Veröffentlichungen abhebt. Diesen Schritt haben sie getan: Sie sind wuchtiger, radikaler und eigensinniger geworden. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass sich die vier nie zufrieden geben, mit den erspielten Erfolgen und gefundenen Sounds. Sie seien nach jedem Gig darüber am diskutieren, was man noch besser machen könnte, was sie noch weiter bringen würde. Das sei manchmal zwar auch etwas nervig &#8211; es wäre ja auch mal schön, einfach zufrieden zu sein. Andererseits ist es auch eine Seltenheit eine vierzehnjährige Bandgeschichte zu haben, mit den selben Menschen über so lange Zeit Musik zu erfinden, und dabei nicht in einem besonders erfolgreichen Schema stecken zu bleiben. Es zeugt von Abenteuerlust und Leidenschaft.</p>
<p style="text-align:left;">
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		<title>Amygdalaproject</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 17:54:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gab Zeiten, da waren die Begriffe Konzept und Projekt im Zusammenhang mit Kunst gern gehörte und erwähnte Schlagworte. Bis die ersten Feuilleton-Autoren darauf aufmerksam machten, dass hier eine Generation im Projekte-Übereifer unterwegs war. Niemand war mehr am Arbeiten, alle waren damit beschäftigt, das neuste Projekt auf die Beine zu stellen, oder wenigstens davon zu [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=162&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gab Zeiten, da waren die Begriffe Konzept und Projekt im Zusammenhang mit Kunst gern gehörte und erwähnte Schlagworte. Bis die ersten Feuilleton-Autoren darauf aufmerksam machten, dass hier eine Generation im Projekte-Übereifer unterwegs war. Niemand war mehr am Arbeiten, alle waren damit beschäftigt, das neuste Projekt auf die Beine zu stellen, oder wenigstens davon zu reden. Alles und jedes war ein Projekt, allerlei noch so abstruse Konzepte wurden umgesetzt &#8211; man war deswegen bald einmal etwas übersättigt. Die Begriffe sind momentan nicht sehr in Mode. Lieber betonen Künstler, dass eben kein Konzept hinter ihrem Projekt stecke, dass es in dem Sinne auch gar kein Projekt sei &#8211; mit Anfang und Ende, sondern eher eine Momentaufnahme im Fluss ihres Schaffens. Gerne ist die Kunst einfach so entstanden; Prozess ist vielleicht das heutige Schlagwort.</p>
<p>Irgendwie tut es da richtig gut, zweien zu begegnen die sagen: Ja, total Konzept. Wir haben uns folgendes überlegt und so sieht jetzt &#8211; nach dem Ausprobieren, Rumtüfteln, Aufsetzen und Verwerfen, die Umsetzung aus. Und ja: es ist unser gemeinsames Projekt.</p>
<p>Die zwei sind Nicole Pfister und Lukas Thoeni. Sie ist Multimedia-Künstlerin, er Trompeter, und zusammen führen sie das Label A NUK . Die beiden haben sich vorgenommen, Musik und bildende Kunst konsequent in Zusammenhang zu stellen. Sie wollen auf ihrem Label A NUK die zwei Kunstformen gleich stark vertreten wissen. So, wie sie das bei Amygdalaproject, ihrer ersten gemeinsamen Veröffentlichung umgesetzt haben, wo sich der visuelle Auftritt im gleichen Zug mit der Musik entwickelt hat. Die Gestaltung der CD-Hülle beispielsweise wurde nicht in einem zweiten Schritt auf die Musik folgend ausgeführt, sondern sie entstand gleichzeitig mit den Kompositionen. Die zwei Kunstschaffenden stehen in ständigem Austausch, und dieser Austausch zieht sich hin bis zu den Visuals am Konzert, wo Musik und Bild in einem live Setting aufeinandertreffen. Das ist an sich nichts Neues, es gab schon immer die Plattenhüllen und CD-Booklets, die für sich Kunstwerke waren, oder die Konzerte, wo die Projektionen das musikalische Erlebnis intensivierten. In Zeiten, wo die physikalischen Tonträger eher einen schweren Stand haben, lassen aber viele Bands der visuellen Umsetzung ihrer Musik wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen. Als Musikhörerin, die wegen ihres permanent eher schlecht informiert-seins durchaus eine Plattenhülle entscheiden lässt, ob die dazugehörende Musik nun ein Ohr bekommt oder nicht, kann ich solches nur begrüssen. Dazu kommt, dass es einfach schön ist, zu einem Tonträger auch etwas zum Lesen, oder Anschauen zu bekommen.</p>
<p>Die Idee zum Amaygdalaproject  kam Lukas Thoeni beim Lesen eines Artikels über die Gehirnforschung. Was im allgemeinen an der aktuellen Gehirnforschung besonders gefällt ist, dass sie den freien Willen zu relativieren scheint. Das nimmt uns etwas aus der Verantwortung. Wir stellen fest, dass wir zu einem nicht geringen Teil noch regelrechte Dinosaurier sind: Fressen, Paaren, Schlafen &#8211; auch wenn die kulturellen Schnörkel, die darüber liegen das ursprünglichste Motiv nicht mehr so klar erkennbar sein lassen. Jedenfalls ist die Amygdala ein Teil unseres Gehirns, der zwischen unserem Dino-Gehirn und dem evolutionär gesehen neueren Primaten-Gehirn liegt und sie dient als Schaltstelle dazwischen. Sie ist primär für die Angst verantwortlich &#8211; unsere Alarmanlage, die blitzschnell funktioniert. Sie bearbeitet allerlei Sinneseindrücke und verknüpft sie mit Emotionen, wägt so ab, wie wichtig ein Eindruck für uns ist und ob er allenfalls gespeichert sein sollte, und sie lässt uns schliesslich auf gewisse Schlüsselreize ziemlich dino-mässig reagieren: Panik, Aggression oder auch der Sexualtrieb können durch sie beeinflusst sein.</p>
<p>Es ist also ein gut gewählter Aufhänger, wenn man sich mit Emotionen beschäftigen will. Mit starken Eindrücken, die unseren Puls in die Höhe schnellen lassen und unser schickes Grosshirn erst einmal auf Pause stellen. Nach dem Lesen des Artikels reifte bei Lukas Thoeni die Idee heran, Emotionen in Musik und Bild umzusetzen.</p>
<p>Dazu hat Nicole Pfister die Musiker der Band nach besonders eindrücklichen Erlebnissen befragt, diese Geschichten aufgeschrieben und in Bilder umgesetzt. Lukas Thoeni komponierte ausgehend von den Texten die Musik. Aus beidem ist etwas Eigenständiges geworden, das aber auch im Zusammenhang funktioniert. Lukas Thoeni komponiert und spielt einen Jazz, der leicht zugänglich, aber nie anbiedernd ist. Stilistisch breit gefächert, spielt er locker wie es scheint mit den verschiedensten musikalischen Einflüssen. Ganz klar profitiert das Projekt von den glänzenden Musiker, die wohl noch zum Nachwuchs gehören, aber ihren eigenen Klang längst gefunden haben &#8211; so wirkt es nie beliebig. Man hört nicht irgendeinen Schlagzeuger sondern Rico Baumann und nicht irgendeinen Pianisten, sondern Beni Külling, ebenso bei Nikolai Karagorgiev an der Gitarre und André Pousaz am Bass. Das funktioniert live, wie ab Konserve. Spannend ist auch die visuelle Umsetzung, sei es bei den Live-Visuals, die Nicole Pfister sehr ruhig gestaltet, so dass sie nicht mit der Musik konkurrieren, oder beim Booklet, das die Musiker in schwarz-weiss Aufnahmen zeigt, die mit Illustrationen versehen sind. Weiss man, dass dahinter jeweils Erlebnisse der Musiker stehen, gleicht es schon einem Bilderrätsel: Was zum Geier hat Beni Külling da erlebt, wie geht es dem Herzen von Rico Baumann, und was hat es mit dem Spielplatz im Dazwischen von André Pousaz auf sich?</p>
<p>Nicole Pfister und Lukas Thoeni ist eine schöne Arbeit gelungen, die in ihrer klaren Ausrichtung ein in sich geschlossenes Ganzes bildets, dabei aber immer sinnlich und kreativ bleibt.</p>
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		<title>Gerade heraus und um hundert Ecken: King Pepe</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 17:43:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; King Pepe &#8211; ich weiss nicht recht. Ich weiss nicht, warum ich den eigentlich dermassen gut finde. Er kann wirklich nicht besonderes gut singen. Er spielt ein paar Instrumente, aber auch gerade mal so. Er schreibt geniale Liedtexte, aber die darf man nicht so genial finden, weil es ihm lieber wäre,  man würde die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=157&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><img class="aligncenter" src="http://www.kingpepe.ch/images/BILD/bild2_1024.jpg" alt="" width="368" height="491" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>King Pepe &#8211; ich weiss nicht recht. Ich weiss nicht, warum ich den eigentlich dermassen gut finde.</p>
<p>Er kann wirklich nicht besonderes gut singen. Er spielt ein paar Instrumente, aber auch gerade mal so. Er schreibt geniale Liedtexte, aber die darf man nicht so genial finden, weil es ihm lieber wäre,  man würde die Musik als Ganzes hören und gar nicht so sehr auf die Texte achten. Er schreibt Songs, die musikalisch alles haben, was es braucht. Nur; diese Tierpark-CD ist ein kleiner Höllenritt durch Stile, Instrumentierungen, Stimmungen und so weiter. Ich bin am Anfang der CD und gerade noch damit beschäftigt, mich über den Grössenwahn des King Pepes zu amüsieren: Aha! Lustig; verspielte Musik und witzige Texte, denke ich. Um nicht viel später, im Song Gebei zu landen, der wirklich nur tiefsinnig, schwermütig und musikalisch schlicht schön ist &#8211; das Grinsen verliert sich im Gesicht, und der lange Melancholie-Blick stellt sich ein. Danach klingt es schräg-kitschig und spätestens jetzt bin ich verunsichert; ist das jetzt eines der schönen, das lediglich etwas in die Hosen gegangen ist? Der Text changiert zwischen intimem Bekenntnis und subtiler Verarschung. So geht es weiter; eine regelrechte Berg- und Talfahrt, oder ein krass abgedrehtes &#8222;Rösslispüu&#8220;.</p>
<p>Und auch wenn er das nicht gerne lesen wird: Zuerst waren es die Texte, die mich mit ihren kuriosen Wendungen und der irgendwie eleganten Plattheit begeisterten. Zum Beispiel das &#8222;Lumaudilüta&#8220;. Eine Textzeile, die auf den ersten Hörgang absolut banal ist, die aber mit der stetigen Wiederholung plötzlich endlos viel erzählt: &#8222;Lu mau di Lüt a&#8220; wird zu: &#8222;Lüt mau dene Lüt a&#8220;, wird zu: Nimm mal deinen Blick vom Trottoir, und schau Dich um Himmels willen in der Welt um, und die Menschen an, und am besten rufst du diese Menschen hier mal an, oder redest halt einen Satz mit denen. Das Tolle ist; es ist ja nun absolut nicht klar, dass King Pepe nur im entferntesten einen ähnlichen Gedankengang hatte beim Schreiben. Vielleicht redet er vom leicht abschätzigen: Jesses, jetzt guck dir mal diese Idioten an, denen müsste man die Meinung mal richtig durchgeben. Oder er sagt einfach: Lu mau di Lüt a &#8211; Punkt, aus. Und er hat natürlich recht: die Texte würden ohne die Musik nie und nimmer funktionieren. sie wären gar nichtsagend. Nur zusammen mit der Musik entstehen diese Geschichten, Bilder und Stimmungen. &#8222;Tierpark&#8220; ist eine CD, die ein wenig sperrig daher kommt, die man nicht so recht einzuordnen weiss, die einem aber irgendwie bei Stange hält &#8211; lange genug, dass das ganze Panoptikum sichtbar wird. Und ja, es ist eine seltsame Welt in der King Pepe lebt. Eine Welt gefüllt mit ausgestopften Tieren und Erinnerungen, verschlingenden Sehnsüchten, morbiden Fantasien, ironischen Seitenhieben und einem scheinbar beträchtlichen Hunger nach Liebe und Körperlichkeit. Denn eigentlich &#8211; und das habe ich mich im Interview einfach nicht getraut zu fragen -  scheint mir, dass ein grosser Teil der Liedschreiberei von King Pepe darauf zielt, eine Frau zu verführen. Und zwar nicht Frauen im allgemeinen, sondern es entsteht ein Bild von der Einen, der Einzigen, der Königin, und es bleibt zu hoffen, dass die Gute schon längst die Hirschgeweih-Krone montiert hat und mit ihm durch den Tierpark spaziert, den Kater an der Leine. So viel Eigensinn &#8211; so viel eigener Sinn müsste doch Betörung genug sein. Vielleicht ist das aber auch wieder eine der Überinterpretationen, wozu die King Pepe Texte geradezu herausfordern. Vielleicht kommt dieses Bild nur, weil mein Frauengehirn nicht anders kann (Tierpark wird aber auf jeden Fall in meine Bibliothek der besten Liebeslieder aufgenommen) und die Männer denken beim Hören in ganz andere Richtungen &#8211; es ist selbstverständlich davon auszugehen. King Pepes Spiegelkabinett ist also eines, in dem jeder und jede etwas anderes sieht, respektive hört. Und deshalb ist die King Pepe Welt nicht nur eine seltsame, sondern auch eine äusserst weltoffene, den Menschen zugewandte, vielseitige, versöhnliche und leichtfüssige.</p>
<p>Nun ist es aber so, dass es den King Pepe eigentlich gar nicht gibt. Er ist eine Erfindung von Simon Hari. King Pepe ist zwar viel berühmter als sein Erfinder und schöner, mit mehr Muskeln und Grips, gleichzeitig ist er aber auch viel blöder &#8211; ein bedauernswerter Wicht, eine verlorene Seele im besten Fall. Nur, was haben die zwei eigentlich miteinander zu schaffen? Simon Hari weiss es selbst nicht so genau. Der ist halt da, dieser King Pepe und macht es durchaus etwas einfacher, diese Lieder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es ist auf jeden Fall immer ein Stück (manchmal zwar nur ein muntzig kleines) Simon Hari in diesem King Pepe. Starke Texte auf Mundart sind eine rare Angelegenheit und bis King Pepe kam, fehlte es dem modernen schweizerdeutschen Liedgut im Grossen und Ganzen an Direktheit. Ich weiss jetzt auch haargenau, was mir so gefällt an Pepes Tierpark: es ist diese wunderbare Vermählung von direkt und indirekt. Simon Haris Lieder sind immer um mehrere Ecken gedacht, das lässt sie so vielschichtig werden, so offen für Interpretationen. Sie beschäftigen sich mit den grossen Themen, dem Tod, der Liebe, dem Hass, der Sehnsucht zum Beispiel. Diese Themen sind aber immer gut verkleidet, schimmern höchstens zart durch, sie werden nie definitiv abgehandelt sondern als Ideenanstoss in den Raum gestellt. Direkt hingegen ist die Sprache: Einfach und gerade heraus, ohne Schnörkel, ohne drum rum Gerede &#8211; er nennt die Dinge beim Namen. Eine so komplexe Gedankenwelt, einen so quecksilbernen Geist in diese simple, lustige und lustvolle Form zu bringen, ist beeindruckend, aber es ist vor allem dermassen gut!</p>
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		<title>Jacqueline, Jacoba, Jakob, Mizz Jack, Jackie O, Jack Torera, Jackie Brutsche oder die Frau mit den vielen Talenten</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Jan 2011 10:43:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; Es gibt Menschen, die haben nicht das Bedürfnis nach doppelten Böden und Fangleinen. Solche Menschen wissen um die Zerbrechlichkeit der Dinge und sie wissen, dass es nichts dagegen auszurichten gibt. Lernt man das früh im Leben, macht einen das sehr wahrscheinlich ein wenig einsam, aber es macht einen auch immun gegen die falschen Versprechen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=148&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;">
<div><img class="size-medium wp-image-150 aligncenter" src="http://lottimoa.files.wordpress.com/2011/01/brutsche_4.jpg?w=255&#038;h=300" alt="" width="255" height="300" /></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Es gibt Menschen, die haben nicht das Bedürfnis nach doppelten Böden und Fangleinen. Solche Menschen wissen um die Zerbrechlichkeit der Dinge und sie wissen, dass es nichts dagegen auszurichten gibt. Lernt man das früh im Leben, macht einen das sehr wahrscheinlich ein wenig einsam, aber es macht einen auch immun gegen die falschen Versprechen vom Schein und Konsens. Es schützt einen davor, das Leben als eine Vorlage zu sehen, zusammengesetzt aus Bildern aus TV und Werbung, die es möglichst gut auszumalen gilt, und dann daran zu leiden, dass dieses Ausmalen irgendwie langweilig, leer und alles andere als erfüllend ist. Es gibt Menschen, die verstehen, dass es aber auch nicht damit gemacht ist, gegen diese Bilder zu agieren und sie einfach ins Gegenteil zu kehren, weil man in diesem Gegenteil genau so gefangen ist, sondern, dass es darum geht, auszuprobieren und mit dem, was man gerade hat, etwas anzustellen. Egal was. Jackie Brutsche ist ein solcher Mensch. Und sie hat sich mit ihrer Unabhängigkeit und diesem Ausprobieren zu einer eigenständigen und unverwechselbaren Künstlerpersönlichkeit entwickelt. In ihrem Werdegang fügt sie ein Film-Studium an eines in Mode-Design, um schliesslich als Bühnenkünstlerin für Furore zu sorgen. In den beiden Studiengängen eignete sich Jackie das Handwerkszeug an, mit dem sie nun ihre Bühnenshows unterfüttert, sei es als Front-Frau von der Band the Jackets oder als Akteurin in ihrem Theater-Stück die Schnauzprinzessin.</p>
<p>Es ist ihr erstes Solo-Stück, das sie zusammen mit Chris Rosales geschrieben hat, und es unterhält durch Tempo, Witz und dem sicheren Gespür für Klang und Rhythmus. Erzählt wird die Geschichte von den möglichen Auswirkungen, wenn die, den Hochglanz-Postillen entnommenen Träume von Erfolg und Ruhm, plötzlich Wirklichkeit werden. Es ist als erstes ein kritischer, zynischer und liebevoller Blick auf die Geschichte des Show-Geschäfts. Hinter dieser Geschichte liegt aber noch eine andere: Die Schnauzprinzessin erzählt auch von einer Suche und der Erkenntnis, dass eine One-Woman-Show vielleicht genau das Richtige ist. Natürlich können und sollen wir davon Träumen, dass wir den lieben Gott demnächst am rosa Plüsch-Telefon haben und der uns kurz und bündig ein paar Wünsche erfüllt. Aber wichtiger ist es, dass wir uns derweilen etwas in den Hintern treten und unsere One-Woman-Show ins Leben rufen. Das heisst nicht, dass wir alleine sind, dass wir alles und jedes alleine machen. Es heisst nur, dass wir uns nicht davon abhalten lassen, Dinge zu tun, weil wir wissen, dass wir etwas nicht perfekt können, dass es andere gibt, die es besser machen und, dass wir vielleicht vollkommen und grandios damit scheitern.</p>
<p>Jackie Brutsche scheitert mit ihrer Schnauzprinzessin hingegen keineswegs. Obwohl sie weder ausgebildete Schauspielerin noch Sängerin ist, gibt es keinen Moment, wo man als Zuschauerin mit hochgezogenen Augenbrauen innerlich rumzukritteln beginnt; dafür ist sie auch einfach zu laut, wild, schnell und gerade heraus &#8211; Rock and Roll eben. Sie singt und spielt Gitarre, stampft dazu auf zwei Pedale, so dass es rumpelt, und rasselt. Diese drei gesungenen Stücke sind dann auch die eigentlichen Perlen dieses Abends; es ist der Gänsehaut-Moment. Nicht, weil diese Lieder besonders intim daherkommen. Jackie veranstaltet auch beim Singen eine grosses Spektakel &#8211; aber sie ist in diesen Momenten absolut ehrlich und echt: Sie macht genau das, was sie liebt, und lässt uns dabei zuschauen. Dass sie uns zuschauen lässt, ist vielleicht die Entwicklung, die für Jackie nicht auf der Hand lag. Sie musste mit Neunzehn überredet werden, auf die Bühne zu stehen und in ein Mikrofon zu brüllen. Bei diesem ersten Auftritt allerdings sei etwas passiert, da sei ein wildes Tier losgelassen worden und sie wusste, das liesse sich nie mehr einsperren. Vom blossen Losbrüllen ist sie nach zehn Jahren Erfahrung als Front-Frau verschiedener Bands auch längst weggekommen. Sie hat eine unverwechselbare Stimme, die sie gerade im richtigen Masse gezähmt hat. So weit gezähmt, dass sie damit spielen kann, aber nicht so weit, dass diese Stimme zwar technisch perfekt, aber ohne innere Beteiligung, ohne Emotion daherkommt. In Kombination mit dem Rahmen, den ihr das Stück die Schnauzprinzessin bietet, der Möglichkeit, einen Song in eine Geschichte einzubinden, trifft sie ins Schwarze.</p>
<p>Und man sieht es ihr an; sie ist gerne da oben. Sie mag an der Bühne besonders, dass sie, sobald sie oben steht nicht mehr denkt, dass es ihr &#8222;tut&#8220; und das macht ihren Auftritt so erfrischend. Es hat so gar nicht diesen Touch von bewusster Selbstdarstellung und Künstlichkeit. Die Frau gehört einfach auf die Bühne, obwohl, oder vielleicht gerade weil sie ihr Schaffen als Bühnenkünstlerin nie geschult hat. Rückblickend ist sie froh darüber. Froh, dass sie vieles nicht weiss, weil dieses Wissen immer auch eine Kanalisierung, Wertung und Anpassung mit sich bringt. So kann sie loslegen, ihre Geschichte erzählen und sich vorarbeiten zu der Kunstform, wo sie all ihre Leidenschaften reinpacken kann, auch wenn es dann allenfalls keine bestehende Kunstform mehr sein sollte. Sie arbeitet weiterhin daran, die vorherrschenden äusseren Merkmale von Theater, Musik, Kunst und Film aufzulösen und neu anzurühren, so, dass daraus ihr eigenes Universum entsteht &#8211; es ist schön und belebend, darauf einen Blick werfen zu können.</p>
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		<title>Hip-Hop Romantiker und Nostalgiker Tinguely dä Chnächt</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Dec 2010 12:00:24 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; Ich wollte es wirklich nicht tun. Wirklich, ich habe mir vorgenommen, ganz sicher nicht über ein Rap-Album zu schreiben. Abwechslung, nicht wahr. Ein breites Spektrum und so weiter. Aber jetzt gerade ist da ein Lied fertig. Das geht um den Tod eines geliebten Menschen und alles andere im Leben. Tinguely dä Chnächt hat eine Art [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=143&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-144" title="tinguelypressebild3" src="http://lottimoa.files.wordpress.com/2010/12/tinguelypressebild3.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich wollte es wirklich nicht tun. Wirklich, ich habe mir vorgenommen, ganz sicher nicht über ein Rap-Album zu schreiben. Abwechslung, nicht wahr. Ein breites Spektrum und so weiter. Aber jetzt gerade ist da ein Lied fertig. Das geht um den Tod eines geliebten Menschen und alles andere im Leben. Tinguely dä Chnächt hat eine Art zu Rappen, die sich nach seitenlangem Schreiben anhört. Nach gefüllten Festplatten, Servietten voller Notizen, Worten, Sätzen. Nach vielen, vielen Zigaretten und dem einen oder anderen Bier darüber hinaus. Es ist ein lustiges Album, ein Schmunzel-Album, obwohl die Texte oft alles andere als heiter sind. Es ist ein Album, das mich dazu bringt, vor der Anlage zu sitzen, und mich fünfzehn Jahre zurückversetzt zu fühlen: Zu Hause Mix-Tapes hören und bei Wu-Tang beispielsweise auf diese angenehm kribbelnde Art schockiert sein; darf man solche derben Sachen dermassen explizit beim Namen nennen, und darf man als Frau so etwas hören und sich dabei amüsieren? Ich würde meinen, das kommt auf die Fähigkeit zur Ironie des Texters an, oder aber auf die ironische Distanz der Zuhörerin. Also vor den Boxen sitzen, grinsen und sogar mal laut rauslachen! Und ich meine, das braucht ja nun was, dass man das tut. Die Beats von Reezm sind geschmeidig wie Melasse &#8211; zäh, stumpf glänzend, herb und süss &#8211; oder meinetwegen wie Hopfen in flüssig. Es hat wunderbare Wortgebilde auf diesem Album, der Pressetext verwendet den Begriff wortgewaltig, eine grosse Ansage, aber, ja; wortgewaltig. Tinguely dä Chnächt spielt mit unserer Wahrnehmung. Das ganze Album lässt sich auf verschiedenste Arten hören &#8211; es ist mehrschichtig, weil er virtuos mit der Mundart spielt, so dass sich immer neue Bedeutungen heraushören lassen. Ein Vexierbild für die Ohren. Es ist auch ein wahrer Hoden-Bau. Ein typisches Jungs-Album; und dabei hört man sie Lachkrämpfe unterdrücken. Ich verstehe zwar nicht alles; er schlurft beim Sprechen, sanft zischelndes Lispeln dazu, und das auch noch auf Züri-Dütsch. Aber es klingt toll. Ein paar Ungeliebte gibt&#8217;s auch, die sind mir dann zu sehr Rap, um des Raps willen. Es hat auch sonst den einen oder anderen Schönheitsfehler, dieses Album. Manchmal ist da gar holprig geschnitten und überblendet, aber diese Unvollkommenheit trägt auch wieder zum Charme bei. Wie er sagt: Die Dinge müssen einfach getan werden, so wie sie gerade kommen und anstehen, sich fallen lassen &#8211; ganz wichtig -, sagt er.</p>
<p>Es geht auch in &#8222;Bar&#8220; um die Themen unserer Generation. Wieder ist die Ambivalenz ein ständiger Begleiter &#8211; die Lage könnte so gedeutet werden, oder genau anders &#8211; wie können wir wissen, was wichtig und richtig ist für uns? Tinguely dä Chnächt in &#8222;z&#8217;vill Ziit&#8220;: &#8222;D&#8217; Angscht macht en Unterschied zwüsche ich fühl, dänk und weiss es&#8220;. Er hat ein paar solcher Treffer formuliert.</p>
<p>Sein Promoter warnt mich in den Mails vor: ich müsse dann halt hinter her telefonieren, in den Besprechungen liest man von verschlafenen Terminen um vier Uhr nachmittags &#8211; klingt unzuverlässig. Nun, der Mann ist pünktlich und meldet sogar die zwei Minuten Verspätung an. Beschönigen tut er nichts, dass &#8222;Bar&#8220; erst jetzt herausgekommen ist, sei nicht zuletzt auch auf verschlafene Aufnahme-Sessions zurückzuführen. Er Arbeite halt momentan in der Nacht, das habe sich in den letzten vier Jahren so ergeben, vielleicht wäre es aber auch gut, mal wieder einen anderen Rhythmus auszuprobieren. Allerdings, hat aber genau diese Lebensweise die Texte zu diesem Album geschrieben; es würde anders klingen und Anderes erzählen, wenn er jeden Morgen um sieben, die Stempelkarte benutzen würde. Man kann sich also auch einfach darüber freuen, dass es diese konsequenten Menschen gibt, die sich getrauen, sich auch einmal zu Verweigern, sich treiben zu lassen, ihre Überforderung beim Namen zu nennen, und das wiederum nicht stur machen müssen, sondern ihr Tun immer gleich mit hinterfragen. So etwas ergibt doppelt genähte Texte. Es kommt eine junge Kurzhaarige in die Bar. Sie begrüssen sich, ich denke mir was, und zehn Minuten später sagt er, das sei die Frau, über die er dieses eine Lied geschrieben habe. Und genau diese Offenheit, die für ihn selbstverständlich ist, und bei der er auch nicht genau versteht, warum man das nicht so machen sollte, ist absolut einzigartig. Das Lied &#8222;Letschti Rundi&#8220; ist so ein Rundumschlag. Da findet er Worte für etwas, was eigentlich nicht in Worte gefasst werden kann. Was ihm dabei hilft, ist die Form des Reimens, welche einen gewissen Schutz und Halt gebe, um Gedanken und Gefühle auszudrücken. Als wir auf die Live-Umsetzung zu sprechen kommen, zeigt sich, dass diese Offenheit, aber auch ihre Grenzen hat. Er würde &#8222;Luftposcht&#8220; und &#8222;Letschti Rundi&#8220; nie live rappen. Es wäre sehr wahrscheinlich auch zum Zuhören kaum zum Aushalten. &#8222;Bar&#8220; ist für zu Hause gedacht, oder noch eher für unterwegs, und dazu die Welt vorbeiziehen lassen.</p>
<p>Nach dem Interview nimmt er mich mit rüber in den Plattenladen, den sein Produzent führt, guckt so ganz nebenbei, dass ich mit Platten, einer Story für eine nächste Ausgabe und ein paar schönen Sätzen im Kopf in den Zug nach Bern steige. Ich glaube, er meint das mit dem: &#8222;I wott e guete si&#8220; tatsächlich so &#8211; das ist verdammt schwierig umzusetzen, ein Vorsatz, der das Scheitern daran in sich birgt. Ein Vorsatz, der in seiner Einfachheit wohl nur nach einschneidenden Erlebnissen und langem Nachdenken darüber zu Stande kommt. Denken ist in nicht-akademischer Form vielleicht nicht besonders angesagt, aber es ist Arbeit. Arbeit, die sobald auf irgendeine Art intelligent umgesetzt, hilft, unser Leben zu reflektieren und zu hinterfragen, hilft, zu erkennen, woran wir leiden und was wir lieben.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Wer ist Marton di Katz?</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Nov 2010 08:05:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Nachfolgegeschichte &#160; &#160; Der Mann hat zwei der besten Rap-Alben der Schweizer Musikgeschichte mitzuverantworten: &#8222;UND JETZ&#8230; was hät das mit mir z tue?&#8220; von Big Zis und &#8222;D&#8217; Party isch vrbi&#8220; von Baze. Marton di Katz, wie er von Big Zis aus einer Laune heraus getauft wurde, war bei beiden Alben als Produzent mit [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=138&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Nachfolgegeschichte</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-139" title="Foto 67" src="http://lottimoa.files.wordpress.com/2010/11/foto-67.jpg?w=300&#038;h=225" alt="" width="300" height="225" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Mann hat zwei der besten Rap-Alben der Schweizer Musikgeschichte mitzuverantworten: &#8222;UND JETZ&#8230; was hät das mit mir z tue?&#8220; von Big Zis und &#8222;D&#8217; Party isch vrbi&#8220; von Baze. Marton di Katz, wie er von Big Zis aus einer Laune heraus getauft wurde, war bei beiden Alben als Produzent mit von der Partie. Es sind für mich eigentlich die zwei einzigen Schweizer Rap-Alben, die ich wirklich ganz und gar gelungen finde, und das kann ja nicht nur an den Texten und Fähigkeiten von Big Zis und Baze liegen. So viel ist also schon einmal klar, und ich treffe mich mit dem Mann aus dem Hintergrund. Márton Dobozi ist dreiunddreißig Jahre alt, und gerade dabei, sich immer mehr mit Musik über die Runden zu bringen, obwohl er es auch gar nicht so schlecht findet, seinen Brotberuf als Webentwickler ab und an auszuüben, und von der hyper-kreativen Musikwelt, ins klar definierte Programmieren zu wechseln. Geboren und aufgewachsen ist er in Zürich, seine Eltern sind gebürtige Ungarn. Seine Affinität zur Musik ist ein Erbstück von seiner Mutter &#8211; sie ist klassische Konzertpianistin. Er hat sich in Kindertagen quer durch alle möglichen Instrumente gespielt von Flöte, über Geige und Schlagzeug, ist er schlussendlich bei der klassischen Gitarre gelandet. Als Teenager bekam er erstmals einen E-Bass zwischen die Finger, und hatte damit sein Instrument gefunden. Wenn er heute bei einem seiner unzähligen Projekte live spielt, tut er das mit dem Bass. Zur Elektronik ist er über seinen Bruder gekommen, der ein paar Jahre älter ist und den kleinen Bruder offenbar unkompliziert an seinen Leidenschaften teilnehmen liess. Die zwei Brüder sind bis heute ein eingespieltes Team, und dass die Zusammenarbeit so gut läuft, führt Marton di Katz darauf zurück, dass sein Bruder Klavier spielt, er hingegen Gitarre und Bass &#8211; da komme man sich nicht in die Quere, sonder ergänze sich. Während er erzählt, fallen mir die ersten Parallelen und Verbindungen auf, die vielleicht bedeutungslos sind, vielleicht aber auch nicht, wenn es darum geht, was einem in der Musik nun eigentlich anspricht oder nicht. So unauffällig sie oft sind, höre ich Bässe doch besonders gerne, oder Musik, bei der ein Basslauf elementar ist. Benfay, der zweite Produzent von Bazes Album, der klassischen Bass studiert hat und Marton di Katz sind also beides Experten für Bässe. Zudem sind die musikalischen Vorbilder von Marton di Katz allesamt auch in meiner Musiksammlung zu finden, und ich freue mich schon beim Gespräch darauf, seinen Kompositionen noch einmal zu lauschen und die Einflüsse herauszuhören. Grundsätzlich sei er schon ein Hip-Hop-Kind sagt er, aber ebenso wichtig sind Soul, Jazz, Elektronische Musik und Klassik. Das Vermischen verschiedenster Genres, lässt sich vielleicht am &#8222;Schnide mer d&#8217;Haar&#8220; von Baze gut hören. Da ist zu Beginn diese schöne, fast etwas zu schöne Gitarren-Melodie, die geografisch in heissen Gefilden zu Hause sein könnte, ebenso die Perkussion, die südlich anmutet, aber nur ganz kurz bevor sie ziemlich abstrakt klickt und grrrrrrrrt.  Da sind die streicher-ähnlichen Klangflächen, die Pauken aus dem Orchestergraben. Dann der zuerst zurückhaltende Bass, der sich ganz plötzlich zu einem vom Klang her dem Techno zuzuordnenden Alleinunterhalter aufschwingt &#8211; und da ist noch viel, viel mehr.</p>
<p>Marton di Katz baut nicht nur grossartige Kulissen für Rap-Alben, er hat auch beste Erinnerungen an die Club-Gigs mit dem Rumpelorchester, wo er zusammen mit seinem Bruder, der sich als Künstler Valentino Tomasi nennt, und Kalabrese einen virtuosen Live-Techno auf die Bühne stellte. Genauso viel Spass macht ihm das Vertonen von Kurzfilmen, Theaterstücken oder Werbe-Clips. Was ihn meiner Meinung nach von vielen Produzenten abhebt, ist seine Fähigkeit, bei aller Elektronik einen gewissen Live-Aspekt in seinen Stücken beizubehalten. Einen seiner Beats, den Baze für seine Scheibe verwendet hat, habe ich recht früh im Entstehungsprozess gehört, und war etwas irritiert ob der rohen Rumpeligkeit. Man ist sich von der elektronischen Musik gewohnt, dass alles, jeder Ton, auf die Millisekunde mit der Pinzette gesetzt ist. Bei Marton di Katz hört man, dass ein grosser Teil der Instrumente eingespielt wurden und zwar über lange Strecken. Das wird erst einmal grob zusammengesetzt und als Vorlage verwendet. Im Endeffekt ist wohl diese Herangehensweise der Schlüssel zum Groove von Marton di Katz. Er liefert nicht einfach einen Beat ab und das wars dann. Bei ihm folgt auf die musikalische Skizze ein aufwendiger Prozess, in dem er im Falle eines Rap-Albums auf jede Textzeile eingeht, den Rhythmus und Klang der Stimme hervorhebt und unterstreicht und das Stück mit kleinen Brüchen und Einwürfen vollendet.</p>
<p>Nun, bei so viel Talent stellt sich doch die Frage, warum er noch keine Soloplatte herausgebracht hat? Wie vielen Soundtüftlern hilft auch ihm, ein konkretes Projekt vor sich zu haben, um die Dinge einzugrenzen und nicht zu viele Richtungen gleichzeitig einzuschlagen. Er sagt, er arbeite zwar immer wieder an eigenem Zeug, aber da fänden sich so viele Stilrichtungen darunter, dass es sehr schwierig wäre, daraus ein Album zusammenzustellen. Auch klingen seine Ansprüche an ein Solo-Album noch einmal eine zünftige Portion grösser: Es müsste ein Instrumentales-Album geben, mit Gästen, und ganz wichtig wäre, dass sich die Musik auf der Bühne spielen liesse und natürlich nicht mit einer primär elektronischen Umsetzung. Jedenfalls läuft hier gerade &#8222;Oktober&#8220;, die Rohskizze eines Songs; schlicht, unaufgeregt, drei Klänge im Basslauf, die mich zum Lächeln bringen, darüber etwas Gitarre und es haut jetzt schon hin. Ich bin jedenfalls gespannt&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Baze</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Oct 2010 12:25:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Portraits]]></category>

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		<description><![CDATA[D&#8217; Party isch vrbi Schweizerdeutscher Rap war eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Bis ich dann eines Abends auf einem Bildschirm diesen jungen Mann sah, der mit seltsam hochgekrempelten Trainerhosen auf einem Bett bei einer Tankstelle sass und rappte, dass es eine wahre Freude war. Wie sich herausstellte, war dieser Mann Basil Anliker aka Baze und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=132&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-medium wp-image-133" title="Baze_1" src="http://lottimoa.files.wordpress.com/2010/10/baze_1.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></p>
<p>D&#8217; Party isch vrbi</p>
<p>Schweizerdeutscher Rap war eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Bis ich dann eines Abends auf einem Bildschirm diesen jungen Mann sah, der mit seltsam hochgekrempelten Trainerhosen auf einem Bett bei einer Tankstelle sass und rappte, dass es eine wahre Freude war. Wie sich herausstellte, war dieser Mann Basil Anliker aka Baze und es dauerte noch ein paar Jahre, bis sich die Wege im kleinen Bern kreuzten. Die ersten zwei seiner Solo-Platten sind mehr oder weniger ungehört an mir vorbeigegangen und ich hatte den extrem morgenmuffeligen Mann erst bei der der Promo der Boys on Pills Platte als Interviewpartner vor dem Mikrofon. Die zwei Boys on Pills Alben fand ich äusserst unterhaltsam. Ich war davon angetan, wie Baze die Worte aneinanderreihte, wie er seine Geschichten erzählte; simpel, lebensnah und auf den Punkt gebracht. Mir gefielen seine Melodien, sein Flow; jeder Rapper hat seine Ton-Abfolgen, seine Rhythmik, die ihn im Idealfall unverkennbar machen und im schlechtesten langweilig. Die Boys on Pills Alben gaben also schon einmal die Richtung vor, aber Baze versteckte sich da noch hinter viel Ironie und Übertreibung, was zu diesen Alben zwar durchaus passte, einem als Zuhörerin aber doch irgendwie unbefriedigt zurückliess. Was ich hören wollte, war die erwachsenen Version des rappenden Baze, eine Solo-Scheibe, die einem als Mitdreissigerin nicht vor die Entscheidung stellt, diesem Musik-Stil ein für alle Mal abzuschwören, weil Rap schlussendlich doch nur als Musik des Jugendkults funktioniert.</p>
<p>Jetzt habe ich diese Scheibe endlich in meiner Anlage. Sie heisst d&#8217; Party isch vrbi und fängt mit einem melancholischen Abgesang auf die wilden durchwachten Nächte an. Mit Hilfe von Endo Anaconda wird da eine hoffnungserfüllte Endzeitstimmung heraufbeschworen, dass einem ganz schummrig wird. Die Geschichten sind einmal mehr aus dem Leben gegriffen und spielen oft auf den etwas raueren Seiten des Alltags. Sie widerspiegeln die Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden, den Abschied einer Generation von ihrer Jugend. Was mich daran entzückt ist, dass es Baze gelingt dieses metaphysische Gefühl der zu erfassen, die sich mit dem Verlassen der Jugendwelt nicht ganz leichttun &#8211; es gibt dafür sogar einen Begriff; wir stecken in der Odysee-Phase. Uns ist nicht ganz klar, was eigentlich das Erwachsensein nun ausmachen sollte. Einfach nicht mehr an Parties gehen, die Liebe des Lebens finden, Kinder machen und den Garten umgraben &#8211; das klingt zwar auch verlockend, aber wir stellen leicht konsterniert fest, dass sich dieser Plan nicht einfach so mir nichts dir nichts umsetzen lässt, dass wir es nicht schaffen, diese Schablone auszufüllen, ohne uns weh zu tun, uns zu verlieren und wir bleiben mit der Frage stehen, was denn dann kommen soll. Baze schafft es, diese für uns typische Ambivalenz, einzufangen und das ist eine sensationelle Leistung. Schwere Themen geht er mit Humor an, leichten Themen hängt er etwas Blei an die Füsse und balanciert so die Ganze Kiste sicher und kompakt aus. Benfay und Marton di Katz haben die Beats beigesteuert und bauen Kulissen für die Geschichten, wie sie besser nicht sein könnten. Musik und Texte haben etwas gemeinsam, was schwer hinzukriegen ist, sie sind gleichzeitig eingängig und tiefgründig. Die Melodien hat man nach ein mal hören im Ohr, manche Songs sind richtig süffig und surfen nahe am Kitsch, aber immer gibt es da die kleinen Brüche und Unterströmungen, die sie davon bewahren ins Seichte abzudriften. Baze sucht sich bewusst Beats aus, die nicht einfach per se eine Wucht sind, sondern solche, die ihm eine Stimmung vorgeben und die noch Platz genug bieten, in einer zweiten Phase, auf den Text zu reagieren. So entsteht eine äusserst bestechende Dynamik, die dafür sorgt, dass die Scheibe auch nach dem zehnten Durchgang immer noch in ganzer Länge und voller Lautstärke gehört werden will. &#8222;D&#8217; Party isch vrbi&#8220; ist grosses Theater und gerade bekomme ich nicht genug davon.</p>
<p>Zuvor durfte ich an einem grauen Sonntagnachmittag zu Baze und Benfay in den Keller runtersteigen, mich in einen Bürostuhl vor Boxen setzen, die Füsse hochlegen und zuhören. Ich war sehr glücklich an diesem Nachmittag. Vielleicht war es das quere Mittagessen, in einer Beiz, die ich alleine nie und nimmer besucht hätte, oder die Frau dort, die mich einfach so umarmte und meinte: I respect women like you (ähm, merci -  sehr lieb &#8211; irgendwie), vielleicht war es schlicht die Tatsache, dass diese zwei Männer gerade dabei waren, etwas Einzigartiges zu schaffen und ich da ein paar Stunden mitten in den Beats und Lines mitschwamm. Musik ist immer Geschmacksache, aber es gibt auch immer Fakten, die sich festnageln lassen: Baze rappt perfekt. Da wird im Nachhinein nichts geschnitten, nichts gepitched. Baze rappt so, dass die Worte sich wie ein geschmeidiger Lederhandschuh um die Beats legen. Er sagt, er habe etwas Angst davor, dass die Leute beim Zuhören davon ausgehen, dass das alles er sei, dass die Geschichten ihn eins zu eins widerspiegeln. Und auch wenn er etwas Angst davor hat, hat er genau das getan. Er hat alles abgelegt, was ihn distanziert, überheblich und grossmäulig erscheinen lässt und erzählt mit nichts als Boxershorts auf dem Leib aus dem Leben. Das ist kein Weltverbesserungs-Rap, kein Klischeegangster-Rap &#8211; es ist die Umsetzung dieser Musikform, wie sie ursprünglich gedacht war; als erzählendes Medium, als ein Hybrid aus Poesie und Musik. Und zu guter Letzt lässt einem Baze nicht einfach so im Regen dieses melancholischen und nackten Albums stehen, sondern gibt uns noch einen letzten Song mit auf den Weg; es geht darin um diese Nachmittage in Kellern, um diese Momente, wo die Zweifel für einen kurzen Augenblick Ruhe geben. Das ist keine Neuigkeit, aber gut, mal wieder zu hören; es sind diese Momente, die zu suchen sich lohnt &#8211; nicht mehr und nicht weniger.</p>
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		<title>Reitschule beatet mehr</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 15:34:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lottimoa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unser erstes Mal Es ist vielleicht mühsam und sicherlich ziemlich fragwürdig, dass manche Männer ein derartiges Problem mit der Reitschule haben, so dass es immer mal wieder zu einer Abstimmung kommen muss; soll es sie in ihrer jetzigen Daseinsform noch geben oder möchten wir nicht lieber ein Gebäude, das nach Putzmittel riecht und in dem [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=lottimoa.wordpress.com&amp;blog=8854969&amp;post=124&amp;subd=lottimoa&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unser erstes Mal</p>
<div><img class="aligncenter size-medium wp-image-126" title="Reitschule-bietet-mehr-mittel" src="http://lottimoa.files.wordpress.com/2010/09/reitschule-bietet-mehr-mittel.jpg?w=300&#038;h=258" alt="" width="300" height="258" /></div>
<div></div>
<p>Es ist vielleicht mühsam und sicherlich ziemlich fragwürdig, dass manche Männer ein derartiges Problem mit der Reitschule haben, so dass es immer mal wieder zu einer Abstimmung kommen muss; soll es sie in ihrer jetzigen Daseinsform noch geben oder möchten wir nicht lieber ein Gebäude, das nach Putzmittel riecht und in dem höchstens sanfte Liftmusik runterrieselt. Aber letztlich kann ich den Gedanken nicht vertreiben, dass uns Herr Hess einen grossen Gefallen tut. Die Reitschule ist nämlich nicht einfach nur gut &#8211; alle, die sie gerne mögen, wissen tausend Geschichten zu erzählen, was sie dort ärgert, stört und was anders laufen sollte. Stellt sich dann dieser bilderbuchmässige Stereotyp von einem etwas zwanghaften und nach Aussen hin sich verdächtig selbstsicher gebenden Mann als Kontrahent zur Verfügung, explodiert das kreative, organisatorische und soziale Gefüge in und um die Reitschule herum und der Laden surrt geradezu vor Tatendrang. Der Wahlkampf ist tip top organisiert. Ich gehe an die Presseinfo zum CD-Release des Samplers &#8222;Reitschule beatet mehr&#8220; und bin beeindruckt. Nicht, dass ich mich auf Pressekonferenzen besonders gut auskennen würde, aber öffentliche Anlässen mit Apéro und Info-Mappen sind eigentlich immer ganz schrecklich. Hier ist es gemütlich, das Buffet ist hübsch angerichtet und überladen mit Leckereien, der Weisswein edel, die Pressematte übersichtlich, das Propagandamaterial ein Design-Wurf, Hunde und Kinder wuseln herum, die Musik im Hintergrund klingt super und auf der Bühne steht ein Sofa und kitschige Polstersessel. Zu Gast sind Steff la Cheffe und ein paar Züri Westler. Sie erzählen uns, warum sie die Reitschule nicht missen wollen. Steff la Cheffe beschreibt ihr erstes Mal im Kulturzentrum als Erleuchtung: Die verschiedenen Räume, die Freiheit, sich als Künstlerin ausprobieren zu können, das Unkomplizierte und Offene der Menschen, die sich dort treffen. Kuno Lauener holt weiter aus und geht zurück zu den Anfängen. Er beschreibt die ersten Stunden von Züri West und diese eine Nacht im Jahr 1987, wo er und Küse Fehlmann in einem kanarienvogel-gelben Ford Transit mit unterwegs waren Richtung Schütze, zusammen mit tausend anderen Freidenkern und das Schloss zur grossen Halle knackten. Es muss eine einzigartige Nacht gewesen sein; ein grosses Fest mit Musik, Staub und Aufbruchstimmung &#8211; der Grundstein zum heutigen Kulturzentrum wurde damit gelegt. Damals wie heute &#8211; und das ist vielleicht etwas, was man als Nicht-Besucher der Reitschule einfach nicht verstehen kann, ist weder Sinn noch Zweck, irgendwelche Regeln zu brechen und blind zu wüten, sonder es geht darum, neue Räume zu eröffnen, neuen Ideen Platz zu geben und einen Ort zu haben, wo die Schwerkraft der gesellschaftlichen Zwänge und Modalitäten zumindest teilweise aufgehoben ist.</p>
<p>Während sie vorn auf der Bühne erzählen, kommt mir der Gedanke, dass dieses Haus eine meiner längsten Romanzen ist. Es gibt viele Dinge, die wir zum ersten Mal tun, viele Orte, wo wir zum ersten Mal sind, aber es gibt nicht so viele dieser Momente, die uns in Erinnerung bleiben. Darum nimmt es mich wunder, ob sich die Gäste dieses Anlasses noch an ihr erstes Mal mit der Reitschule erinnern.</p>
<p>Das ist eine prima Frage, wie sich herausstellt. Die Augen beginnen zu glänzen, der Kopf spult zurück, schiefes Lächeln auf den Lippen &#8211; die Erinnerungsmaschine läuft. Für viele lässt sich das erste Mal nicht mehr so genau festmachen &#8211; es ist vielmehr ihre erste Zeit, an die sie sich erinnern. Mit fünfzehn oder sechzehn auf dem Vorplatz stehen und etwas trinken -  das war schon Aufregung genug. Das erste Mal an einem Konzert im Dachstock einlaufen, die Wildheit, das leicht Verruchte und Unbekannte &#8211; überwältigend. Für fast alle waren die ersten Besuche mit erhöhtem Puls und Nervenkitzel verbunden; die Reithalle ist ein Abenteuer. Sie habe beim ersten Mal den Frauenraum gesucht, sei extra von Ausserhalb gekommen, zu fragen habe sie sich natürlich nicht getraut und dann habe sie endlich diese Treppe entdeckt; &#8222;nächär isch aues guet gsi&#8220; Oder die zwei Jungs, die sich mutig zwischen den gefährlich aussehenden Punks durch manövrierten, um auf dem Postwagen ihren ersten Joint zu rauchen. Die Gymnasiums-Schülerin, die ihren ersten Einsatz in der Gassenküche hatte und von ihre Mutter mit dem Auto hingefahren wurde, damit sie auch ja sicher dort ankam. Den dramatischsten Einstand, hatte wohl ein Bärner Gieu mit 14, der an ein Konzert im Innenhof ging und in den ersten zehn Minuten Zeuge eines Treppensturzes wurde: &#8222;U dr Anger isch mit gspautnigem Gring dört gläge.&#8220; Vielleicht ist dies das beste Bild, um die Ängste, die mit der Reitschule verbunden sind zu verdeutlichen. Unser Drang, das Leben so sauber und geordnet wie möglich abzuspulen, lässt sich mit diesem Ort nicht vereinbaren. Die Reithalle ist auch dreckig, besoffen, krank, verzweifelt, aggressiv und ganz einfach eine Zumutung. Aber auch darum haben wir uns in sie verliebt &#8211; sie ist eine runde Sache, in ihr kann man das ganze Spektrum der Gefühle erlebe, von Glück bis Wut. Sie ist kein neutraler Ort und das ist gut so &#8211; liftmusikberieselte Sterilbauten gibt es genug.</p>
<p>Ach ja, eigentlich wollte ich ja von dieser CD &#8222;Reitschule beatet mehr&#8220; schreiben, ich liess mich etwas davontragen, entschuldigen Sie. Jedenfalls ist diese CD ein Muss. Es hat tolle Lieder darauf, viele extra für diesen Anlass geschrieben. Eine schöne Auswahl, lustig und unterhaltend. Diese sollten sie also kaufen, und das Badetuch und ein Shirt. Sie müssen das Müslüm Video schauen &#8211; es ist so was von gelungen und es weiterschicken. Sie sollten ans Abstimmungsfest kommen am 18. September und feiern. Und dann unbedingt daran denken, diesen Zettel auszufüllen und abzuschicken.</p>
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